Das Neunauge – Uralter Wanderfisch mit Saugmaul

Ein faszinierender „Fisch“ mit besonderer Geschichte

Wenn du zum ersten Mal ein Neunauge siehst, wirst du vermutlich staunen – oder stutzen: Ist das ein Aal? Eine Schlange? Oder etwas ganz anderes?

Tatsächlich gehört das Neunauge zu den ältesten Wirbeltieren, die es heute noch gibt – und obwohl es aussieht wie ein Fisch, ist es biologisch gesehen keines.

In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige über das Neunauge:

🧬 seine Herkunft,

🌊 seinen Lebensraum,

🐟 seine Besonderheiten –

und warum es streng geschützt ist.


📖 Was ist ein Neunauge überhaupt?

Das Neunauge (lat. Petromyzonidae) gehört zur Gruppe der Rundmäuler, einer uralten Wirbeltierlinie. Es ist kein echter Fisch, weil ihm wichtige Merkmale wie Kiefer, Hartschuppen und paarige Flossen fehlen.

Der Name „Neunauge“ ist etwas irreführend:

Tatsächlich hat das Tier nur ein Paar Augen. Die weiteren „Augen“ sind sieben Kiemenöffnungen und das Nasenohr – zusammen ergeben sie neun runde Öffnungen, die seitlich am Kopf sichtbar sind.

🧬 Steckbrief: Neunauge

🐍 So sieht ein Neunauge aus

Neunaugen haben einen langen, schlangenartigen Körper, der an einen Aal erinnert. Die Haut ist glatt, schuppenlos und oft schleimig.

Typisch ist das rundscheibenförmige Maul, mit dem sich das Neunauge an Steinen oder Fischen festsaugen kann. Darin sitzen kleine Hornzähnchen, mit denen die Tiere sich in die Haut anderer Fische „bohren“ können – allerdings nicht alle Arten.

An den Seiten befinden sich sieben sichtbare Kiemenöffnungen, außerdem ein einzelnes Nasenloch auf dem Kopf – zusammen mit den Augen ergibt das die berühmten „neun Augen“.


🌊 Lebensweise & Lebensraum

Es gibt verschiedene Arten von Neunaugen in Europa, darunter:

  • Bachneunauge (Lampetra planeri)
  • Flussneunauge (Lampetra fluviatilis)
  • Meerneunauge (Petromyzon marinus)

🟦 Bachneunauge

  • Bleibt sein ganzes Leben im Süßwasser
  • Wird 15–20 cm lang
  • Hat keine parasitäre Phase (ernährt sich nicht von Fischen)

🟦 Flussneunauge

  • Wandert zwischen Süß- und Salzwasser
  • Hat eine parasitäre Phase im Meer (saugt sich an Fischen fest)
  • Wird bis zu 30 cm lang

🟦 Meerneunauge

  • Die größte Art (bis 90 cm!)
  • Ebenfalls parasitisch und wandernd
  • Heute in Deutschland sehr selten

🐣 Entwicklung & Fortpflanzung

Neunaugen haben einen ungewöhnlichen Lebenszyklus:

  1. Die Larven (Querder) leben bis zu 5 Jahre eingegraben im Gewässersand und filtern Plankton und organische Partikel aus dem Wasser.
  2. Nach der Verwandlung zum erwachsenen Tier wandern sie (je nach Art) ins Meer oder bleiben im Fluss.
  3. Nur einmal im Leben laichen sie – in sauerstoffreichen Kiesbetten mit klarem Wasser.
  4. Danach sterben sie – ähnlich wie Lachse.

🚫 Warum Neunaugen geschützt sind

Alle in Deutschland vorkommenden Neunaugenarten stehen unter strengem Schutz:

  • Sie gelten laut EU-FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) als besonders schützenswert
  • Sie sind in vielen Flüssen stark zurückgegangen, vor allem wegen:
    • Wasserbau & Begradigungen
    • Wanderhindernisse wie Wehre & Kraftwerke
    • Verschmutzung von Laichplätzen

⚠️ Wichtiger Hinweis für Angler:

Neunaugen dürfen weder gefangen noch beschädigt oder gestört werden!

Sie sind in Deutschland ganzjährig geschützt. Wer ein Neunauge versehentlich fängt, z. B. beim Aalangeln, muss es sofort und schonend zurücksetzen.


🧠 Neunaugen im Ökosystem

Auch wenn viele Menschen sie seltsam oder unheimlich finden – Neunaugen sind wertvolle Bioindikatoren für:

  • gute Wasserqualität
  • naturnahe Gewässerstrukturen
  • funktionierende Durchgängigkeit im Flusssystem

Sie stehen als Teil uralter Nahrungsketten für das, was unsere Gewässer einmal waren – und wieder sein könnten.


🔍 Fazit: Ein faszinierendes „Nicht-Fisch“

Das Neunauge ist kein typischer Zielfisch – im Gegenteil: Es ist kein Fisch im eigentlichen Sinne, sondern ein faszinierendes Relikt der Urzeit.

Seine Lebensweise, sein Maul, sein Lebenszyklus – all das ist einzigartig im Wasserreich.

Wer Neunaugen entdeckt, kann sich glücklich schätzen:

Sie sind selten, streng geschützt und ein Zeichen für naturnahe Gewässer. Und damit ein echtes Highlight für naturbewusste Angler – auch ohne Angelhaken.