Was Fische wirklich sehen – Die Wahrheit über Köderfarben

Zwischen Instinkt, Licht und Wissenschaft

Jeder Angler kennt die Frage:

„Welche Köderfarbe funktioniert heute am besten?“

Manche schwören auf Neon-Gelb, andere auf Naturfarben oder Schwarz. Im Laden steht man vor einem Meer aus Farben – aber wie viel davon ist wirklich sinnvoll? Und was sehen Fische eigentlich?

Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel der Unterwasserwelt – mit wissenschaftlichen Fakten, überraschenden Erkenntnissen und praktischen Tipps für die richtige Köderwahl. Denn die Wahrheit ist: Fische sehen anders – und besser – als wir denken.


👁 Wie funktioniert das Fischauge?

Das Auge der Fische ist an das Leben unter Wasser angepasst – und dabei oft viel spezialisierter als das des Menschen. Wichtige Merkmale:

  • Lichtempfindlichkeit: Fische sehen auch bei Dämmerung oder in trübem Wasser erstaunlich gut.
  • Farbsehen: Viele Fischarten besitzen mehr Farbzapfen als der Mensch und nehmen z. T. Ultraviolettlicht (UV) wahr.
  • Sichtwinkel: Anders als beim Menschen sehen viele Fische fast 360°, durch seitlich sitzende Augen.
  • Anpassung: Raubfische (z. B. Hecht) sind auf Beutetiere bei schwachem Licht spezialisiert – Friedfische dagegen sehen Farben oft differenzierter.

Fun Fact:

Einige Fischarten – z. B. Barsche – haben eine gelblich getönte Hornhaut, die UV-Licht und Blauanteile filtert. Das verändert ihre Farbwahrnehmung komplett!


🌊 Licht unter Wasser – der entscheidende Faktor

Farben verhalten sich unter Wasser anders als an der Luft.

Je tiefer und trüber das Wasser, desto mehr „verschluckt“ das Wasser einzelne Wellenlängen:

FarbeSichtbarkeit in klaren GewässernSichtbarkeit in trüben Gewässern
RotSehr gut bei Sonne, < 1 m TiefeFast unsichtbar ab 1–2 m Tiefe
OrangeGut sichtbar bis ca. 2 mVerblasst schnell in Trübnis
GelbSehr gut sichtbarFunktioniert auch bei wenig Licht
GrünStabil, auch bei TiefeBeliebt für Allround-Köder
BlauSichtbar in tieferen, klaren GewässernSchwach in Trübnis
SchwarzGuter Kontrast bei GegenlichtGut bei trübem Wasser
WeißStark bei Sonne, kontrastreichGut in flachem, klarem Wasser
UVSichtbar für viele FischartenBesonders effektiv in Dämmerung

Merk dir:

🔦 Je trüber oder tiefer das Wasser, desto weniger Farben bleiben übrig.

Deshalb funktionieren in trüben Flüssen dunkle Farben (Schwarz, Braun, Dunkelgrün) oft besser als Knallfarben.


🎣 Welche Köderfarbe passt wann?

Hier sind praxisnahe Empfehlungen, basierend auf Gewässertyp, Wetter und Fischart:

☀️ Klare Tage + klares Wasser:

  • Naturfarben, Silber, Gold
  • Für scheue Fische (z. B. Forelle, Zander)
  • UV-aktive Farben sind hier oft zu aggressiv

🌧 Trübes Wasser + bewölkt:

  • Kontrastfarben wie Schwarz, Dunkelgrün
  • UV-Farben funktionieren gut
  • Auch Weiß und Neon-Gelb möglich

🌊 Tiefe Seen:

  • Blau & Grün halten sich besser in der Tiefe
  • Tungsten-Köder mit UV-Lack sehr effektiv

🌪 Stark strömende Flüsse:

  • Stark kontrastierende Farben wie Rot-Schwarz oder Orange-Schwarz
  • Besonders in der Dämmerung erfolgreich

🧪 Wissenschaftlich bewiesen?

Ja – und zwar mehrfach:

  • Eine Studie der Uni Hull (UK) zeigte, dass Barsche auf UV-aktive Köder signifikant häufiger bissen als auf nicht UV-behandelte.
  • Andere Untersuchungen belegen, dass Köderfarben mit viel Kontrast (z. B. Schwarz/Rot) in Trübwasser die besten Reize setzen.
  • Forellen bevorzugen bei klarem Wasser Köder mit natürlicher Pigmentierung, wie Silber oder Braun-Töne.

Doch aufgepasst: Fischverhalten ist nie nur farbabhängig – Strömung, Temperatur, Tageszeit, Futterangebot und Beißlaune spielen eine große Rolle.

Farbe allein fängt nicht – aber sie entscheidet oft den Unterschied zwischen Biss oder Misstrauen.


🛠 Experten-Tipp: Die 3-Farben-Regel

Wenn du an einem neuen Gewässer angelst, nimm immer mindestens drei Farbvarianten pro Ködertyp mit:

  1. Naturfarben (Silber, Braun, Olive)
  2. Kontrastfarbe (Schwarz, Weiß, UV-Pink, Orange)
  3. Allrounder (Grün, Gold, UV-aktiv)

So kannst du schnell auf wechselnde Bedingungen reagieren – und deine Erfolgschancen deutlich erhöhen.


💡 Fazit: Farbe macht den Unterschied – wenn du sie richtig einsetzt

Köderfarbe ist kein Aberglaube. Sie ist wissenschaftlich relevant, sinnlich erfahrbar – und manchmal der Schlüssel zum Erfolg.

Wer weiß, wie Fische sehen – und wie sich Licht unter Wasser verhält – kann Köder gezielter auswählen, schneller variieren und erfolgreicher fischen.

Probier’s aus – mit offenen Augen und klarem Köderkonzept!