Fisch des Jahres 2025 & bedrohtes Naturwunder
Still und heimlich gleitet er durch die Flüsse, versteckt sich tagsüber unter Wurzeln und Steinen – und doch ist er eine Legende der Unterwasserwelt:
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist mehr als nur ein Angelziel – er ist ein Symbol für Naturwunder, Verlust und Hoffnung zugleich.
Im Jahr 2025 wurde er zum Fisch des Jahres gewählt.
Warum? Weil sein Schicksal auf der Kippe steht – und weil kaum ein anderer Fisch so viele Fragen aufwirft wie er.
🌊 Eine Reise, die kein anderer Fisch wagt
Der Aal ist ein Wanderfisch der Superlative:
Seine Reise beginnt im Atlantik, genauer gesagt in der Sargassosee, östlich von Florida. Dort schlüpfen winzige, durchsichtige Aallarven, die sich von Meeresströmungen über Monate hinweg bis an die Küsten Europas treiben lassen – eine Strecke von über 5.000 Kilometern.
Die Reise im Überblick:
- 🌱 Geburt in der Sargassosee
- 🌊 Transport als „Weidenblattlarve“ nach Europa
- 🚶 Umwandlung in „Glasaale“ in Flussmündungen
- 🏞️ Aufstieg in Flüsse, Bäche und Seen (auch in Baden-Württemberg!)
- 🧓 Jahrzehnte langes Wachstum als „Gelbaal“
- 🐟 Rückverwandlung zum „Blankaal“
- 🌎 Rückwanderung in die Sargassosee zur einzigen Fortpflanzung
Dann: Tod.
Denn der Aal laicht nur ein einziges Mal – und stirbt danach. Kein Mensch hat je die Laichplätze in der Tiefsee gesehen. Noch heute bleibt das Geheimnis der Fortpflanzung wissenschaftlich ungelöst.
📉 Ein dramatischer Rückgang
Noch in den 1970er-Jahren war der Aal in fast allen Flüssen Europas eine Selbstverständlichkeit. Auch an Bühler, Jagst oder Kocher gab es gute Aalfänge.
Heute sind die Zahlen erschreckend: Der Bestand ist laut IUCN um über 95 % eingebrochen.
Hauptursachen:
- ❌ Wanderhindernisse wie Wehre, Dämme, Schleusen
- ❌ Überfischung (v. a. auf Glasaale)
- ❌ Kraftwerke – Aale werden beim Abstieg häufig in Turbinen getötet
- ❌ Parasiten & Krankheiten (z. B. Schwimmblasenwurm)
- ❌ Klimawandel – verändert Meeresströmungen & Aufstieg
Gerade in Baden-Württemberg ist es für Aale oft unmöglich, zu laichen oder zurückzukehren. Nur noch durch künstlichen Besatz (z. B. mit Glasaalen aus Frankreich) sind sie in vielen Regionen überhaupt noch anzutreffen.
🎣 Aal in der Region – gibt’s den hier noch?
Ja – wenn auch selten. In den Nebenflüssen der Jagst und Bühler wurden in den letzten Jahren vereinzelt wieder Aale gesichtet, teils durch gezielte Besatzmaßnahmen von Fischereiverbänden.
Vor allem in warmen, strukturreichen Gewässern mit wenig Strömung fühlen sich die nachtaktiven Räuber wohl.
Sie leben dort als Gelbaale, verstecken sich tagsüber in Uferunterständen und gehen nachts auf Jagd – v. a. auf Würmer, Insektenlarven, kleine Fische.
Wer also an einem heißen Sommerabend mit Wurm oder Tauwurm am Grund fischt, hat vielleicht Glück – und ein echter „Flussschatz“ beißt an.
Aber Achtung:
Aal ist in vielen Gewässern streng geschützt, hat Schonzeiten oder ist nur begrenzt entnehmbar. Hier gelten landesrechtliche Regelungen, über die sich jeder Angler genau informieren sollte!
🔒 Schutzprojekte in Baden-Württemberg
Es gibt Lichtblicke – zahlreiche Initiativen setzen sich für den Aal ein:
- 🌱 Aalbesatz-Programme, u. a. über die Fischereiverbände
- 🚪 Fischaufstiegsanlagen an Kraftwerken & Wehren
- 🛡️ Schutz der Glasaale durch Handelsverbote & Quoten
- 📚 Bildungsarbeit in Schulen & Vereinen
Auch in Vellberg und Umgebung kannst du mithelfen – z. B. durch Aufklärung, Rücksicht beim Angeln, Schonung von Laichhabitaten und Unterstützung von Projekten.
📸 Mythos Aal: Kurios & faszinierend
- 🧬 Der Europäische Aal hat keine Verwandten in Europa – er ist ein Einzelgänger der Evolution.
- 🔁 Er kann sich im Laufe seines Lebens dreimal verwandeln: von Larve zu Glasaal, Gelbaal, dann Blankaal.
- 😲 Aale können über feuchtes Gras „wandern“, z. B. bei Regen sogar von einem Bach zum nächsten.
- ⌛ In Gefangenschaft lebte ein Aal in Schweden über 80 Jahre – Rekord!
- 💨 Sein Körper produziert beim Schlängeln nur wenig Wasserwiderstand – perfekte Tarnung & Energieeffizienz.
- 🛑 Aale können sich bei Gefahr stundenlang eingraben oder verstecken, und sind so schwer zu fangen.
🧠 Fazit: Der Aal ist ein Schatz, den wir fast verloren haben
Wenn man über natürliche Wunder Europas spricht, gehört der Aal ganz oben auf die Liste.
Er ist kein „nur“ Fisch – er ist ein lebendes Mysterium, ein Jahrmillionen alter Wanderer, der einst in unseren Flüssen zu Hause war.
Heute steht er am Rand des Aussterbens – aber es ist noch nicht zu spät.
Wenn wir ihm wieder Platz geben, wenn wir ihn schützen, verstehen und unterstützen, dann kann seine Geschichte weitergehen.
Und vielleicht, nur vielleicht, beißt auch bei dir bald wieder einer – in der Bühler, Kocher oder am Vereinssee.