Bleifrei angeln – Wie sich das Angeln bald verändert (und warum das gut ist)

Ein Thema, das (nicht nur) Umweltfreunde betrifft

Blei gehört seit Generationen zur Standardausrüstung fast jedes Anglers: Bleistücke als Grundblei, Schrotblei zum Ausloten, Birnenblei an der Posenmontage – ein alltägliches Bild am Wasser. Doch was viele nicht wissen: Dieses kleine Zubehörteil hat ein großes Umweltproblem im Gepäck.

Blei ist ein hochgiftiges Schwermetall, das sich in der Natur nicht abbaut. Und genau darum könnte es bald verboten werden – mit weitreichenden Folgen für Angler, Hersteller, Händler und Vereine.

Was steckt dahinter?

Welche Alternativen gibt es?

Und wie kannst du dich als Angler jetzt schon vorbereiten?


🧪 Warum ist Blei im Angeln problematisch?

Laut Schätzungen gelangen europaweit jährlich bis zu 25.000 Tonnen Blei in die Umwelt – ein großer Teil davon durch den Freizeitsport: Angeln, Schießen, Golf . Gerade beim Angeln wird Blei oft verloren: beim Hänger im Wasser, beim Abriss oder einfach durch Verschleiß.

Die Folgen:

  • Vögel wie Schwäne, Enten oder Blesshühner halten Bleistücke für kleine Steine (zum Verdauen der Nahrung) – mit tödlichem Ausgang: Bereits 2–3 g verschlucktes Blei können bei Wasservögeln zu Vergiftungen führen .
  • Auch Fische, wirbellose Tiere und Bodenorganismen nehmen Blei auf – und es reichert sich über die Nahrungskette in größeren Tieren und schließlich auch beim Menschen an.
  • In naturnahen, kleinen Vereinsgewässern oder Biotopen kann das zu dauerhafter Belastung des Bodens und des Wassers führen.

Das Thema ist also nicht nur ein Umweltthema, sondern betrifft auch den Tierschutz und unsere Gesundheit.


⚖️ Das EU-Verbot: Was kommt wirklich?

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat 2023 eine Empfehlung zum Verbot von Blei im Angelbereich veröffentlicht. Derzeit läuft ein Prüfverfahren der EU-Kommission. Die wichtigsten Eckpunkte des Entwurfs:

  • Bleiverbot bei Angelgewichten und Zubehör innerhalb eines Übergangszeitraums von 3–5 Jahren
  • Betrifft alle Blei-Produkte über 0,06 Gramm
  • Ausnahmen für wissenschaftliche Zwecke, aber nicht für Hobbyangler
  • Geplante europaweite Regelung – also auch gültig für Deutschland

Was bedeutet das konkret?

Noch ist nichts beschlossen. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren ein flächendeckendes Bleiverbot für Angler kommt. In Dänemark und den Niederlanden gilt es schon – andere Länder folgen.

Vereine und Angler sollten sich also rechtzeitig vorbereiten.


🧰 Welche Alternativen gibt es?

Die gute Nachricht: Es gibt heute schon viele bleifreie Angelprodukte, die sich in der Praxis bewährt haben. Zwar sind sie teurer, aber genauso funktional – und teilweise sogar besser.

✅ Bleifreie Alternativen:

MaterialEigenschaftenEinsatzbereiche
Stahlrobust, langlebig, günstigGrundblei, Jigköpfe, Spinnfischen
Tungstensehr schwer, klein, hochwertigFinesse-Techniken, Dropshot, Jig
Zinnweicher, leicht formbarSchrotblei, Posenmontage
Steine/Keramiknatürlich, umweltneutralGrundmontagen, Naturgewässer
Glastransparent, spannender Effekt beim LaufKarpfenangeln, moderne Methoden

Viele Hersteller bieten bereits „Lead-Free“-Serien an: z. B. für Jigköpfe, Bullet Weights, Feederkörbe oder sogar Karpfenbleie mit Tarnbeschichtung auf Steinbasis.

Tipp für Einsteiger:

Bleifrei fischen erfordert oft feinere Abstimmung der Montage, da manche Materialien anders absinken oder anders im Wasser liegen.

Ein kurzer Feldversuch am Hausgewässer lohnt sich!


🧭 Was können Vereine tun?

Gerade Angelvereine spielen eine wichtige Rolle bei der Umstellung:

  • 🔄 Bestände umstellen: Neueinkäufe bleifrei planen, alte Lagerbestände prüfen
  • 📣 Aufklären: Mitglieder durch Infoabende oder Aushänge informieren
  • 🎣 Kurse anbieten: Z. B. „Bleifreies Angeln für Einsteiger“ oder „DIY-Gewichte“
  • 🧹 Uferreinigung: Gemeinsame Aktionstage zur Blei-Sammelaktion starten
  • Vorbild sein: Als Verein bewusst bleifreie Produkte verwenden und kommunizieren

Langfristig wird das auch ein positives Signal gegenüber Behörden und Öffentlichkeit, wenn sich Angler aktiv für den Umweltschutz einsetzen.


💡 Fazit: Jetzt umdenken – der Umwelt zuliebe

Ob freiwillig oder bald verpflichtend: Das bleifreie Angeln kommt. Und es ist kein Nachteil, sondern eine Chance. Für mehr Naturverträglichkeit, bessere Gewässerqualität – und einen nachhaltigen Angelsport.

Die Technik ist da. Die Produkte sind da. Jetzt liegt es an uns, den Wechsel mitzugestalten.

Weniger Gift. Mehr Gewissen.